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Alpentour 2006: Venedig -> Wien (Teil 2/4)


In Lienz legten wir einen Ruhetag ein, weil wir nicht an einem Samstag Richtung Heiligenblut (an der Großglockner- Straße), unserem nächsten Ziel, aufbrechen wollten. Als wir bei einem Stadtbummel dann eine riesige Autolawine sahen, die sich Richtung Tauernautobahn und Großglockner-Hochalpenstraße durch den Ort wälzte, waren wir sehr froh über diese Entscheidung.

Die Strecke von Lienz nach Heiligenblut führte uns zunächst über einen kleinen Pass ins Mölltal, wo es einen asphaltierten Radweg gab, der zunächst parallel zur Straße verlief, dann jedoch auf kleineren Straßen immer mal wieder über Kuhwiesen und in die Berge führte. Leider war der Weg dabei nicht immer gut ausgeschildert, so dass wir an einer Kreuzung nicht in einen zugewachsenen Feldweg einbogen, sondern auf der asphaltierten Straße blieben. Ein großer Fehler, wie sich etliche Höhenmeter später herausstellen sollte, als die Straße plötzlich und ohne Vorwarnung an 2 Bauernhöfen endete. Von dort aus konnten wir unser Ziel Heiligenblut zwar sehen, aber es gab keine Möglichkeit dorthin zu kommen. So mussten wir den Berg wieder runterrollen bis zu der Kreuzung mit dem zugewachsenen Feldweg, über den wir dann nach kurzer Zeit wieder auf die Hauptstraße nach Heiligenblut kamen. Nach weiteren 3 Kilometern mit einer teilweise ganz ordentlichen Steigung erreichten wir Heiligenblut. Von dem sehr schönen Campingplatz aus konnten wir sogar den Großglockner sehen.


Am nächsten Tag ließen wir die Räder stehen und fuhren mit dem Bus zur Franz-Josefs-Höhe, um uns den Gletscher anzuschauen. So konnten wir dann am darauffolgenden Tag ausgeruht auf die Großglockner-Hochalpenstraße fahren. Als wir losfuhren, war es zwar bedeckt, aber trocken, was eigentlich ganz angenehm war, denn wir schwitzten auch ohne Sonnenschein schon genug. Bis zur Mautstation windet sich die Straße in starken Serpentinen, danach wird es erstmal wieder flacher. Als es wieder steiler wurde, wurden wir mehrmals von Leuten, die am Straßenrand parkten, angefeuert, was erstaunlicherweise wirklich motiviernd ist.

Nach einer ausgedehnten Pause waren wir um 12 Uhr nur noch ca. 300 Höhenmeter vom Hochtor entfernt, als es heftig anfing zu regnen. Trotz unserer Regensachen, die wir sofort angezogen hatten, waren wir nach kurzer Zeit so durchnässt, dass wir uns in einem Hotel, das zum Glück noch kurz unterhalb des Gipfels lag, ein Zimmer nahmen. Die Wirtin hatte zwar soviel Angst um ihren Fußboden, dass wir uns in der Garage, in wir die Räder unterstellen konnten, umziehen mussten, aber ihr Mann war deutlich netter und stellte unsere nassen Schuhe in den Heizungskeller, so dass wir am nächsten Morgen wieder mit trockenen Schuhen starten konnten.


Gleichzeitig mit uns startete an diesem Morgen vom Hotel ein Reisebus mit Touristen, zum Glück jedoch in die andere Richtung, denn die Businsassen schienen uns, ihren Blicken nach zu urteilen, für ganz schön verrückt zu halten. Außerdem hatten wir so die Straße für uns alleine, denn es war so nebelig und kalt, dass kaum jemand unterwegs war. Nach ungefähr 2,5 Kilometern hatten wir dann auch schon das Hochtor erreicht, wo wir leider von der Umgebung nichts erkennen konnten. Mit Eiskristallen auf der Jacke setzten wir unsere Fahrt fort. An der zweiten Spitze der Großglockner-Straße, dem Fuschertörl, trafen wir einen anderen Radfahrer, der an diesem Morgen schon aus Bruck hochgefahren war, allerdings ohne Gepäck. Witzigerweise stellte sich im Gespräch heraus, dass er ebenfalls aus Köln kam.

Bei der Abfahrt zur Mautstation in Ferleiten wurde es zum Glück schnell wieder deutlich wärmer. Da es noch so früh am Morgen war, fuhren die meisten Autos und Motorräder bergauf und kamen uns somit entgegen, so dass wir bei der Abfahrt fast freie Fahrt hatten, was den Spaßfaktor sicherlich deutlich erhöht hat.


Wir radelten an diesem Tag noch bis Zell am See, wo wir eigentlich ein paar Ruhetage einlegen wollten. Schon als wir das Zelt aufbauten, waren wir von dem Campingplatz nicht besonders begeistert, weil die Zeltwiese eher einer Schotterfläche als einer Wiese glich und die Zelte an den äußersten Rand des Campingplatzes auf eine schmale Fläche zwischen See und einer vielbefahrenen Straße gedrängt wurden. Als dann eine Gruppe betrunkener Teenies auch noch den ganzen Abend lautstark Musik hörte und wir von andern Campern hörte, das sei jeden Abend so, beschlossen wir am nächsten Tag weiterzufahren.

Nach einer Nacht mit wenig Schlaf regnete es am nächsten Morgen auch noch, aber da wir unbedingt weiterfahren wollten, bauten wir trotzdem das Zelt ab und fuhren im Regen los. Leider änderte sich das Wetter auch den ganzen Tag nicht, so dass wir nach ca. 60km entlang des Tauern-Radweges (der bei Sonne sicherlich sehr schön ist) völlig durchnässt St. Johan im Pongau erreichten. Dort nahmen wir uns eine Ferienwohnung und hofften auf besseres Wetter. Leider hörte es überhaupt nicht auf zu regnen und auch die Wettervorhersage im Radio war nicht besonders vielversprechend, so dass wir am nächsten Tag ein Internet-Cafe aufsuchten, um zu schauen, ob denn überhaupt irgendwo besseres, d.h zumindest trockeneres Wetter zu erwarten sei. Unsere Fluchtmöglichkeiten aus St. Johan hießen laut der Wettervorhersage im Internet Frankreich oder Kärnten. Wir entschieden uns, unsere Prag-Pläne zu verwerfen, stattdessen nach Kärnten zurückzukehren und ab Lienz dem Drau-Radweg zu folgen und dann von dort irgendwie Richtung Wien zu fahren.

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